Inhalt
“Wir
rennen unserem unvermeidbaren Ende entgegen.
Manche
schneller als andere, viele sogar mit offenen Armen. Doch wie würden wir uns
wohl verhalten, wenn wir exakt voraussehen könnten, wann, wo und wie jeder
einmal stirbt? Gregor, ein junger Rettungssanitäter, muss mit genau diesem
Wissen leben. Allgegenwärtige Visionen skurrilster Todesszenarien lassen ihn
zynisch und teilnahmslos durch das Leben gehen, ehe eine verblüffende Begegnung
nicht nur seine Perspektive, sondern auch den Verlauf seines eigenen Lebens
verändert …
“Schmerzflimmern”
ist eine lebensverneinende Mystery-Komödie, der es definitiv nicht an Sarkasmus
und Wortwitz mangelt. Der Tod, als ultimative Unannehmlichkeit im sonst so
tristen Tagesablauf, tritt dabei in all seinen Facetten auf – er amüsiert,
erschreckt, verstört und animiert zum Blick in das eigene Innere.”
(Quelle: Amazon)
Erster Satz des Buches
“Sie lächelte sanft, während sie unauffällig ihre Hand ausstreckte, um meine zu berühren.”

Zitate
“Allerdings war es auch dafür bereits zu spät. Sie war tot. Erstickt. Die Körperfunktionen dauerhaft abgeschaltet. Keine Chance, noch etwas zu erfahren. Aus dem Gespräch war eindeutig die Luft raus.” (S. 11)
“Mich über die Menschen lustig machen zu können war jedoch der seidene Faden, der das über mir baumelnde Schwert daran hinderte, mich mit Schwung zu erstechen. Andererseits dachten andere Menschen insgeheim sicherlich ebenfalls den gemeinsten Scheiss über mich, wozu also die Selbstzensur?” (S. 21)
“>Ich mag alle Tiere<, erklärte sie, 
>Aber wenn ich selbst eins sein könnte, wäre ich vermutlich ein Shrimp.< 
>Ein was?<, fragte ich verblüfft.
>Ein Shrimp. Eine kleine Garnele. Du weißt schon, diese kleinen Krabbentierchen, die am Meeresboden rumkrebsen und ein bisschen wie Penisse von alten Männern aussehen.<
Reichlich verwirrt über die Antwort hakte ich nach. 
 > Ich weiß, was Shrimps sind. Aber warum möchtest Du ausgerechnet das sein?<
>Ich hab mal gelesen, Shrimps haben ihr Herz im Kopf. Und jetzt überlege mal, wie viele schlechte Entscheidungen Dir erspart geblieben wären, wenn Du sie ausschließlich mit dem Kopf getroffen hättest!< (S. 35)
Seitenzahlen bedingt durch “iBooks”, keine Angabe auf Gewähr, dass dies mit der Printausgabe übereinstimmt. 
Infos zum Buch
Seitenzahl: 176 Seiten
Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3743100503
Preis: 9,99 € (Taschenbuch) / 
4,99 € (E-Book)
Infos zum Autor
“Marc
Kemper:
Marc
Kemper ist ein junger Autor aus Dortmund. Seine literarischen Vorbilder sind
Chuck Palahniuk, Henry Rollins und Franz Kafka.” (Quelle: Amazon)
Fazit
Wieso
wollte ich dieses Buch lesen?
Nachdem der Autor durch den Buchblogger Award 2017 auf mich
aufmerksam geworden war, warf er mir einfach ein freundliches “Hallo”
in den Posteingang, worauf eine sympathische Unterhaltung stattfand. Sein Buch
faszinierte mich schon von Anfang an und als medizinisch interessierte, wie
auch bewanderte Person konnte ich zu so einem Roman natürlich erst recht nicht
nein sagen.


Cover:
 Ich mag dieses eher schlicht gehaltene Cover
unglaublich gerne – warum? Weil es perfekt zur Geschichte passt.

Story
+ Charaktere:
Du
leidest unter einer morbiden Faszination, hast einen tiefschwarzen Humor, oder
willst einfach mal was anderes Lesen? Herzlichen Glückwunsch, dann erfüllst Du
genau die Voraussetzungen um Dich als nächstes an “Schmerzflimmern”
heranzutrauen!
Gregor
ist 26 Jahre alt und Rettungssanitäter, außerdem ist er tollpatschig, zynisch
und hat wohl etwas mehr als den üblichen schwarzen Humor, als den, den man in
diesem Beruf braucht – oder jedem anderen, in dem man mit Menschen zu tun hat.
Doch das ist nicht das einzige, denn Gregor kann den Tod der Menschen
vorhersehen, die irgendwie mit seiner nackten Haut in Berührung kommen, was ihm
natürlich den Anlass gibt, dies so häufig wie möglich zu vermeiden. Nun ist es
aber so, dass man sich als Mensch ja auch nicht komplett isolieren kann, also
nimmt Gregor das Übel ab und an dann doch in Kauf, denn immer und überall kann
man den persönlichen Kontakt nunmal nicht verweigern. Da es allerdings auch
nicht besonders erotisch ist, beim Sex mit seiner Freundin ständig deren Tod im
Detail vor Augen zu haben, könnt ihr euch vorstellen, dass sich die amourösen
Abenteuer des 26-jährigen in Grenzen halten und so bestreitet Gregor sein Leben
mit einer großen Portion Sarkasmus und einer noch viel größeren Portion
schwarzem Humor.
Jedoch
ist das Leben nicht immer nur mit Humor zu überwinden und so wird schnell klar,
dass der Gute es mit seiner “Gabe” nicht immer leicht hat. Zu Beginn
versucht er noch, die Tode zu verhindern und irgendwie einzugreifen, mit der
Zeit muss er jedoch erkennen, dass man dem Tod nicht von der Schippe springen
kann und so resigniert er und akzeptiert sein Schicksal –  bis er Elise trifft, die sein Leben komplett
auf den Kopf stellt…
Der
Autor Marc Kemper schafft es, das ernste Thema “Tod” ganz herrlich
auf die Schippe zu nehmen und einen gleichzeitig noch zum Nachdenken anzuregen,
denn die Vergänglichkeit des Lebens wird durch diesen Roman ungemein
greifbarer. Was würden wir tun, wenn wir die Möglichkeit hätten, den Tod
unserer Freunde, unserer Familie oder von völlig Fremden vorauszuahnen? Würden
wir diese Last auf unsere Schultern nehmen wollen, nur um beim Versuch, etwas
dagegen zu unternehmen immer wieder zu scheitern? Oder würden wir die Hoffnung,
dass es irgendwann funktioniert, niemals aufgeben?
Neben
jeder Menge Stoff zum nachdenken bietet uns “Schmerzflimmern”, nicht
nur absolut grandiose Szenen, die mich Tränen lachen ließen, sondern auch
spritzige Dialoge, einen fantastischen Protagonisten und eine Story, die man so
noch nie gelesen hat. Besonders Gregors 
abschweifende Gedankengänge über Gott und die Welt (im wahrsten Sinne
des Wortes), gefielen mir unwahrscheinlich gut, denn auch – oder gerade weil? –
man spätestens nach dem dritten Satz vergessen hatte, wie er nun eigentlich auf
diese Gedanken kam, weil man sich viel zu sehr darin verlor, steckten darin
einige wahre Worte. Die Todesszenarien, die man sich gemeinsam mit Gregor
anschauen “durfte”, entlockten mir mehr als einmal ein Grinsen, denn
die Ideen, die dahintersteckten gefielen mir unwahrscheinlich gut – ich sags
ja, morbide Faszination.
Dennoch
ist “Schmerzflimmern” andere als ein Roman voller aneinandergereihter
Semi-Lustigkeiten, vielmehr steckt darin eine geradezu vortreffliche Geschichte
mit einem zynischen Charakter mit einer bitterbösen – oder soll ich sagen
realistischen? – Weltanschauung.
Schreibstil: Der Schreibstil ist angenehm, gut
verständlich und lässt einen das Buch sehr flüssig lesen. Verfasst wurde es in
Ich-Form aus Sicht des Protagonisten Gregor.
Gesamt:
Ein unglaublich
genialer Roman, mit einem tollen Protagonist, genialen Dialogen, skurrilen
Todesszenen aber auch einem ernsten Thema, das hinter all dem Geplänkel gut
hervorgehoben und würdevoll behandelt wird. Sehr lesenswert!
Wertung:
5 von 5 Sterne!
Hier  findet ihr übrigens auch den inoffiziellen
Soundtrack zu “Schmerzflimmern”, hört doch einfach mal rein!
Hier gehts zum Blog des Autor!

Ein ganz herzliches
Dankeschön an den Autor, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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